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Den Bodensee-Wein gibt es nicht. Zu groß ist die Vielfalt am See. Dennoch, als die klassischen Seeweine gelten bei Einheimischen, wie Gästen in erster Linie der Müller-Thurgau. Der Anbau des letzteren ist schon seit dem 10 Jahrhundert am Bodensee belegt. Der Müller-Thurgau ist dagegen eine „moderne“ Kreation. Erstmals wurde er am See 1926 auf Schloss Kirchberg zwischen Hagnau und Immenstaad angebaut. 1882 unternahm ein gewisser Hermann Müller, Schweizer Botaniker, Önologe und Rebzüchter aus Tägerwilen im Kanton Thurgau, an der Forschungsanstalt für Garten- und Weinbau in Geisenheim im Rheingau erste Kreuzungsversuche mit Riesling und Silvanersorten. Seine Forschungen führt er 1991 nach seiner Rückkehr in die Schweiz in Wädenswil am Zürichsee fort. Das Bodenseeklima eignet sich vorzüglich zum Weinbau. Da im zum Teil deutlich über 400 Meter hoch gelegenen Bodenseeraum die Blüte im Vergleich zu anderen Weinregionen später beginnt, reifen die Früchte langsam und schonend – und je langsamer die Trauben reifen, desto mehr Aromen können sich entwickeln. Zuviel Sonne würde Weißweinen ihre spritzige Säure nehmen, die einen leichten Sommerwein ausmacht. Das freut nicht nur die Kellermeister der Weinbaubetriebe, sondern auch die Gaumen der Weinliebhaber.
Bis heute hat der Müller-Thurgau das größte Flächenpotential am Bodensee, gefolgt vom Spätburgunder. Der kräftige Rotwein ist anspruchsvoll im Anbau und Ausbau, was sich später auch im Glas wiederspiegelt. Die Anbaulage will gut überlegt sein, um besonders sonnenverwöhnte Steilhänge am Bodensee zu nutzen, wie sie etwa bei Meersburg besonders geeignet sind. Wer einen im Barrique, einem kleinen Holzfass, ausgebauten und sorgsam auf der eigenen Maische vergärten Spätburgunder im Glas hat, schmeckt jeden Sonnenstrahl. Ganz im Westen der Bodenseeregion, zwischen Stein am Rhein, Andelfingen und Schaffhausen breitet sich das Blauburgunderland aus. Hier ist der zweite Schwerpunkt der Burgunders. Angeblich hängen an drei von vier Rebstöcken im Kanton Schaffhausen Blauburgundertrauben auf immerhin 500 ha Rebflächen. Und wo Wein kaufen? Am besten direkt beim Erzeuger. Viele Winzerbetriebe haben einen Verkauf direkt ab Hof. Alternativ dazu gibt es die größeren Genossenschaften, wo die Auswahl natürlich größer ist. So etwa bei der Winzergenossenschaft Hagnau und deren Pendant im benachbarten Meersburg. Die Spitalkellerei Konstanz im Stadteil Niederburg gehört schon seit dem 13. Jahrhundert zur Spitalstiftung Konstanz und ist damit die älteste noch existierende Spitalkellerei Deutschlands. Spezialität ist der Hagnauer Weißherbst, ein leichter Rosé aus Spätburgundertrauben. Größter Winzer am See ist der Markgraf von Baden auf Schloss Salem. Die Salemer Weinbautradition basiert auf ersten Schenkungen aus dem Jahr 1134 und hat sich bis heute zu einem der wichtigsten Winzerbetriebe Deutschlands entwickelt, ohne an Qualität einzubüßen. Auf Führungen durch das Schloss können Weine und Sekte verkostet werden. Überhaupt wird das Thema Sekte und Proseccos am Bodensee immer wichtiger. Kaum ein größerer Winzerbertieb, der nicht auch einen spritzigen Schaumwein im Angebot hätte. Ob Sekt aus Salem und Hagnau oder Konstanzer Brut oder Secco von der Insel Reichenau - allen gemein ist ihre stetig steigende Beliebtheit. |

