Bodensee Insider
Schwäbisch-alemannische Fasnet
„Fasnet“

Die schwäbisch-alemannische Fastnacht im Bodenseeraum

„Fasnet“
Fasnet
Wildes Getöse, lautes Geschepper und prasselndes Feuer erfüllen einmal im Jahr die Gassen und Winkel der Bodenseestädte – dann tobt die „Fasnet durchs sonst so friedliche Land. Besucher sind meist fasziniert oder so verschreckt, dass sie lieber zu Hause bleiben. Die schwäbisch-alemannische Fastnacht im Bodenseeraum ist nicht jedermanns Sache. Sie ist anders, rauer, derber und ursprünglicher als etwa der rheinische Karneval.

Finstere Holzlarven (Masken), meist als fratzenschneidende Hexen oder Teufel, alte Weiber oder schelmische Narren, bunte schellenbehangene Häs (Kostüme) und wildes Getümmel bestimmen nicht nur die organisierten Umzüge. Viele Gruppen ziehen zu allen Tageszeiten einfach nach Lust und Laune durch die Häuser und lassen dem Spaß freien Lauf. Fast immer mit dabei sind die Guggenmusiker, bei denen falsche Töne, laute Trommeln und blecherne Trompeten zum gekonnt schrägen Repertoire dazu gehören.

So manche Masken und Häs sind teilweise schon seit Generationen in einer Hand und eigentlich viel zu wertvoll, um auf Straßenumzügen getragen zu werden. Sie werden liebevoll gepflegt und instand gehalten, um – anderes als im Rheinland – am 6. Januar, dem Dreikönigstag wieder nach alter Tradition „ausgemottet“ zu werden. Riesige Narrentreffen ziehen dann Tausende Hästräger, Musiker und Zuschauer zu großen Umzügen, die von nun an die Zeit bis zur eigentlichen Fastnacht überbrücken – `s goht's degege!

So richtig in Fahrt kommt die Fasnet dann mit dem Hemdglonkern am „schmotzige Dunnschtig“, dem Donnerstag vor dem Fastnachtswochenende. Einzige Ausnahme bildet Radolfzell, wo die weißgekleideten Narren bereits am Mittwoch Abend durch die Straßen ziehen. Dann gibt es für Blätzlebuebe und Hänsele kein Halten mehr – in Konstanz und Überlingen, Markdorf wie Frauenfeld lassen die Narren rund um den Bodensee ihre Karbatschen "schnellen", "klepfen" Engener Burschen mit langen Peitschen, „maschgern“ Bad Waldseer Teufel durch die Nacht oder treiben Hexenzünfte in dunklen Ecken ihr Unwesen.

Oftmals standen auch Tiere als Vorbild für Figuren. In Singen ziehen die Hoorige’ Bäre’ der Poppelezunft durch die Straßen, Messkirch ist bekannt für seine Katzenzunft, Pferde und Fische, Frösche und „Schnooke“ beleben das Straßenbild. Die schwäbisch-alemannische Fastnacht ist im wesentlichen eine Straßen- und Wirtshausfastnacht – die weithin bekannte Ausnahme ist das Stockacher Narrengericht. Dort müssen sich traditionell am "Schmotzigen Dunschtig" Personen aus der Politik für ihre "Missetaten" verantworten. Wer außerhalb der „Fasnet“ am Bodensee ist und sich darüber informieren möchte, wirft einen Blick ins Narrenmuseum auf Schloss Langenstein.