Die größte Barockbasilika nördlich der Alpen ist alljährlich Schauplatz des Blutritts

Als Schwäbisches St. Peter, wird die Klosterkirche der Abtei Weingarten gerne mit Rom verglichen, auch wenn sie nur etwa halb so groß ist. Trotzdem ist das Raumgefühl in ihrem Inneren überwältigend. Zu Beginn des Jahres 1715 wurde für den Neubau der Barockbasilika das über 500 Jahre alte romanische Münster der Abtei abgebrochen. Noch im gleichen Jahr legte der päpstliche Nuntius in der Schweiz, Jacob Caracciolo, den Grundstein zur neuen Kirche und nach nur achtjähriger Bauzeit vollzog Johann Franz Schenk von Stauffenberg, Fürstbischof von Konstanz, die über eine Woche andauernde feierliche Kirchweihe. Seither steht St. Martin als Mittelpunkt einer idealtypischen Klosteranlage umringt von weiteren Prachtbauten der Abtei, deren Vollendung aber nie zur Gänze umgesetzt wurde.

Wie praktisch alle Klöster der Region wurde Weingarten nach der Säkularisation höchst irdisch genutzt, zum Teil als Lagerhalle, Fabrik und Kaserne, ehe 1922 Benediktiner der Erzabtei Beuron den ehrwürdigen Gebäuden wieder klösterliches Leben einhauchten.

Im Inneren beeindruckt vor allem die Große Orgel von Joseph Gabler mit fast 7.000 Pfeifen. Sie gilt als eine der bedeutendsten Barockorgeln Deutschlands. Sehenswert sind auch die Fresken von Cosmas Damian Asam, sowie Stuckarbeiten und das Chorgestühl von Joseph Anton Feuchtmayer.

Alljährlich am Blutfreitag ist der Blutritt, die größte Reiterprozession der Welt, ein wichtiger Bestandteil der Feiern zu Christi Himmelfahrt. Über die Wiesen und durch die Straßen der Stadt Weingarten ziehen dann rund 3.000 Reiter und Musikkapellen mit der Heilig-Blut-Reliquie, die der Legende nach einen mit Erde vermischten Bluttropfen Jesu Christi enthält, zur größten Barockbasilika nördlich der Alpen.