Konzilstadt zwischen Obersee und Untersee

Kaum eine andere europäische Stadt kann sich einer solchen Lage rühmen. Die größte Stadt am Bodensee liegt sowohl am Obersee als auch am Untersee, verbunden durch den kurzen Seerhein, der gemächlich dahin fließend die beiden großen Teile des Bodensees miteinander verbindet. Links und rechts des Rheins breitet sich die Stadt in zwei völlig unterschiedlichen Erscheinungsbildern aus. Während im Norden moderne Stadtviertel und ruhige Wohngebiete mit großen Industriezonen abwechseln, liegt südlich des großen Stroms eine der besterhaltenen Altstädte Europas.

Die knapp 80.000 Einwohner können sich wahrlich glücklich schätzen in dieser Stadt zu wohnen. Das kulturelle, kulinarische und architektonische Angebot in den engen Altstadtgassen sucht seines gleichen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Altstadt vom Bombenhagel der Alliierten durch Glück und Raffinesse verschont. Angeblich – weil südlich des Rheins gelegen, also geografisch auf Schweizer Gebiet – hätten die Einwohner statt zu verdunkeln einfach ihre Stadt hell erleuchtet und die Kampfflieger so in die Irre geführt? Wie auch immer, so können sich jedenfalls bis heute Besucher aus aller Welt am schönen Altstadtensemble erfreuen, können gemütliche Kneipen und Weinstuben besuchen oder in einem der Clubs, in Kinos oder im Stadttheater das breite kulturelle Angebot nutzen.

Unübersehbar ragt das Münster Unserer Lieben Frau über die Dächer der Stadt. In nur rund 40 Jahren errichtet war es einst das Zentrum des größten mittelalterlichen Bistums nördlich der Alpen. Das gotisch geprägte Erscheinungsbild der dreischiffigen Säulenbasilika stammt vornehmlich aus dem 15. Jahrhundert. Sehenswert im Inneren sind vor allem die über 1000 Jahre alte Krypta und die Mauritius-Rotunde mit dem Heiligen Grab. Nach jahrelangen Renovierungsarbeiten wird der Turm des Münsters zum Frühjahr/Sommer 2006 der Öffentlichkeit wieder zugänglich sein.

Beim Gang durch die Altstadt fällt besonders das ehemalige Fischerviertel der Niederburg auf. Die bunten Fassaden und die engen Gassen erinnern fast ein wenig an mediterrane Stadtviertel. Ganz anders dagegen die stattlichen Bürgerhäuser rund um das fünfgeschossige Hohe Haus. Zwischen der Zollerngasse und der zentralen Marktstätte stehen eine ganze Reihe weiterer prächtiger Häuser, wie etwa das Haus zur Katz oder das Haus zum Goldenen Löwen. Waschechte Renaissance dagegen findet man im Innenhof des Rathauses.

Wichtigstes Ereignis in der Konstanzer Geschichte war das Konzil von 1414 bis 1417, auf dem Papst Martin der V. als alleiniger Papst der katholischen Kirche gewählt wurde. Bekannt als Konzilgebäude wurde das eigentlich als Kaufhaus erbaute große Gebäude am Hafen. Diesem gegenüber steht, quasi als Galionsfigur des Konstanzer Hafens am Ende der Mole, die Imperia des Bildhauers Peter Lenk. Die umstrittene Dame trägt leicht bekleidet König und Papst auf Ihren Händen und soll so die nicht unerhebliche Rolle der Kurtisanen während des Konzils symbolisieren.

Ganz in der Nähe des Hafens steht das SEA LIFE Konstanz auf einer künstlichen Halbinsel im See und lockt mit zahlreichen Bassins, die den Verlauf des Rheins von der Quelle in den Alpen bis zur Mündung am Rotterdamer Hafen nachstellen.