Künstlerland rund um Öhningen, Gaienhofen und Moos

Wer mit dem Rad (oder dem Auto) seeufernah von Stein am Rhein nach Radolfzell fährt, umfährt dabei die Halbinsel Höri. Oberhalb von Radweg und Straße sieht man bald nach der Deutsch-Schweizer Grenze die mächtigen Konventsgebäude des Augustiner-Chorherrenstiftes von Öhningen. Der Hauptort der so verträumt wirkenden Hinteren Höri war zur Römerzeit und während des Mittelalters ein strategisch, politisch und kirchlich bedeutungsvoller Umschlagplatz. Ein wahrer Geheimtipp unter den Baudenkmälern am westlichen Bodensee ist die 1520 erbaute Blasiuskapelle in Kattenhorn. Daneben steht ein mittelalterliches Schlösschen im Schatten hoher Bäume. Viel neuer, aber nicht weniger sehenswert sind die von Otto Dix entworfenen Glasfenster in der St. Petrus-Kirche. Versteckt in den Tälern des Schiener Bergs steht im Ortsteil Schienen die Tausendjährige Wallfahrtskirche St. Genesius.Bereits im 3. Jahrtausend vor Christus standen in der Bucht von Wangen erste Pfahlbausiedlungen. Erwähnt wurde die Fischersiedlung aber erstmals 1155. Knapp 50 Jahre später wurde Schloss Marbach auf einer Anhöhe zwischen Wangen und Hemmenhofen erbaut. Im Heimatmuseum Fischerhaus, dem ältesten Gebäude des Ortes sind Funde der Steinzeit und eine Fossilien aus den Öhninger Steinbrüchen zu sehen, die sind mit dem Fund des Riesensalamanders weithin bekannt geworden. Das Fossil wurde im 18 Jahrhundert irrtümlich für das Skelett eines in der Sinnflut ertrunkenen Menschen gedeutet. Alte Kastanien und eine herrliche Platanenreihe am Seeufer sorgen für angenehmen Schatten für eine Rast oder ein Picknick am Strand.Die Gemeinde Gaienhofen setzt sich zusammen aus den vier Teilorten Hemmenhofen, Gaienhofen, Horn und Gundholzen und bildet den mittleren Teil der Halbinsel Höri. Bekannt geworden ist die auch als Künstlerhalbinsel bezeichnete Landschaft durch den Zuzug renommierter Künstler. Vor allem Herman Hesse begründete den Ruhm der Höri. Von 1904 bis 1912 lebte und wirkte Hesse in Gaienhofen. 1936 zog Otto Dix ins idyllische Hemmenhofen und blieb dort bis zu seinem Tot im Juli 1969. Der Name Höri leitet sich von der Zuge’höri’gkeit zum Kloster Reichenau ab. Erstmals wird die Landschaft zwischen Zeller See und Untersee in einer Urkunde Barbarossas erwähnt, die dem Bischof von Konstanz um 1155 verschiedene Besitzungen zugesteht. Viel schöner ist natürlich die volkstümliche Erklärung. So soll der von seiner Arbeit erschöpfte Herrgott in bestem Seealemannisch zum krönenden Abschluss der Erschaffung der Welt gesagt haben: „Jetzt höri uf!“

Moos, mit den Teilorten Iznang, Weiler, Bankholzen und Bettnang bildet den vorderen Teil der Höri. Hier spielt der Fremdenverkehr eine weniger wichtige Rolle als rund um Gaienhofen. Bekannt ist die Vordere Höri für ihren Gemüseanbau und die Fischerei. Alljährlich findet seit 1976 abwechselnd zwischen den Ortsteilen das bekannte ’Büllefest’ statt. Heimische Erzeugnisse rund um die ‚Bülle’, die Zwiebel, werden am jeweils ersten Sonntag im Oktober zum Verkauf angeboten, darunter auch die bekannten Büllezöpfe.