UNESCO-Weltkulturerbe aus Stiftskirche und Bibliothek, inmitten der historischen Altstadt

Ob der Irische Wandermönch Gallus sich hätte träumen lassen, welchen Stein er ins Rollen brachte, als er im Jahr 612 vom nahen Arbon am Ufer des Bodensees dem Flüsschen Steinach talaufwärts folgte kann man sicher verneinen.

Was mit einer Eremitenklause in unwirtlicher Natur begann, wurde nach seinem Tod schnell zurWallfahrtsstätte. Hundert Jahre später war es Othmar von St. Gallen, der an deren Stelle den Grundtsein zur heutigen Abtei legte und als erster Abt von St. Gallen erheblich zum späteren Ruhm beigetragen hat. Schon früh wurden die Weichen gestellt an diesem Ort mehr zu bauen als nur ein Kloster. Im St. Galler Klosterplan aus dem frühen 9. Jahrhundert, dem wohl berühmtesten mittelalterlichen Bauplan wurde bereits am idealen Bild eines Klosterbezirkes gefeilt. Damit war man seiner Zeit weit voraus, denn die Pläne gelten als die einzige bedeutende architektonische Zeichnung in Europa zwischen dem Zerfall des Römischen Reiches bis ins 13. Jahrhundert. Bis ins Frühmittelalter hatte sich aus der einstigen Eremitenklause so eines der neben der Insel Reichenau bedeutendsten Zentren abendländischer Kultur weitum entwickelt.

Mit den Appenzellerkriegen zu Beginn des 15. Jahrhunderts begann für die mächtigen Abtei eine schwere Zeit. Weite Ländereien gingen an die Appenzeller verloren und die Stadt St. Gallen wurde selbstständige Reichsstadt. Erst nach Mitte des Jahrhunderts konnten neue Ländereien im Toggenburg erworben werden, was ein totales Desaster abwenden konnte.

Die späteren Äbte der Benediktinerabtei-Fürstabtei St. Gallen waren bis 1798 im Stand eines Reichsfürsten mit Sitz und Stimme im Reichstag des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und gleichzeitig Territorialherren in der der schweizerischen Eidgenossenschaft. 1805 ereilte schließlich auch die Abtei St. Gallen mit der Reformation das gleiche Schicksal, wie allen anderen Klöstern am Bodensee – sie wurde aufgelöst.

Schaustücke des Stiftsbezirkes und zwei Glanmzpunkte an der Südroute der Barockstraße sind die doppeltürmige Stiftskirche St. Gallus und Othmar mit prächtigen Stukkaturen und die Stiftsbibliothek. Der Büchersaal der Abtei gilt als einer der herausragenden seiner Art. Kunstvoll geschmückt wird er auch als der schönste nicht-kirchliche Barockraum der Schweiz angesehen. Eingerichtet wurde er unter Fürstabt Cölestin Gugger von Staudach, der auch fast gleichzeitig die spätbarocke Stiftskirche erbauen lies.