Kantonshauptstadt und Textilstadt rund um den fantastischen Stiftsbezirk

Mit rund 70 Tausend Einwohnern ist St. Gallen die drittgrößte Stadt in der Region Bodensee nach Winterthur und Konstanz. Die Hauptstadt des gleichnamigen Ostschweizer Kantons liegt in rund 700 Metern Höhe und ist somit auch eine der höchstgelegenen Städte Europas.

Die Stadt liegt in einem breiten Hochtal zwischen Rosenberg und Freudenberg eingebetet. Im Westen begrenzt der tiefe Sittertobel die Ausdehnung der Stadt. Er ist besonders bei Jugendlichen aus der ganzen Schweiz bekannt und beliebt für das nunmehr 31-jährige Open-Air-St. Gallen, an dem alljährlich im Juni rund 100.000 Zuschauer bekannten Größen aus der Rock- und Popmusikszene lauschen. Als klassischer Gegenpol dazu, sind 2007 die Festspiele St. Gallen auf dem Klosterareal ins Leben gerufen worden.

Rund um den Klosterbezirk mit der wuchtigen doppeltürmige Stiftskirche liegt die Keimzelle der Stadt. Die Anfänge der Siedlung gehen auf den irischen Wandermönch St. Gallus zurück, der im Jahr 612 am Bodenseezufluss Steinach eine Einsiedlerklause errichtete. Nach seinem Tod um 640 in Arbon,  entwickelte sich die nach ihm benannte Klause rasch zu einer Wallfahrtsstätte, an deren Stelle Hundert Jahre nach seinem Tod Otmar von St. Gallen den Vorläufer der heutigen Abtei gründete.

Wie bei etlichen anderen Bodenseestädten, gründetet sich der wirtschaftliche Aufschwung St. Gallens vor allem auf die Textilindustrie, die auch hier ab dem 15. Jahrhundert einsetzte. Um die Jahrhundertwende 1800/1900 war die Stickereiproduktion der größte Exportzweig der Wirtschaft – über 50 Prozent der Weltproduktion kam aus der Ostschweiz. Bis heute hat sich an dieser Führungsposition wenig geändert und auch im Stadtbild ist die Textilverarbeitung präsent. Während am südseitigen Rosenberg prächtige Villen stehen, so ducken sich dichtgedrängte Arbeitersiedlungen am schattigen Freudenberg.

Dazwischen liegt die Altstadt rund um den Stiftsbezirk, die reformierte Kirche St. Laurenzen und die Barockkirche St. Fidelis. Berühmt ist St. Gallen vor allem für seine prächtigen Erker, die gemütlichen Erststock-Beizen und heimeligen Gassen, in denen sich herrlich flanieren lässt.

Kultur wird in St. Gallen groß geschrieben. Im Theater werden Opern, Operetten, Ballett, Musicals und Schauspiele aufgeführt, ein Figurentheater zeigt Stücke für Kinder und Erwachsene und in der Kellerbühne wird Kleinkunst vom Feinsten aufgeführt. Zahlreiche Museen ergänzen das Angebot für Wissensdurstige. Kunstmuseum und Kunsthalle zeigen nationale und internationale Kunstwerke von Weltruf und natürlich darf auch ein Textilmuseum nicht fehlen.

Große Parks und die nahe Natur laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein, etwa zum Wildpark St. Peter und Paul oder zu den Drei Weieren, die als künstliche angelegte Wasserspeicher den Bogen zurück Textilindustrie spannen. Mit der Messe OLMA ist St. Gallen mit Friedrichshafen und Dornbirn der dritte große Messestandort am Bodensee.