Eine der Wiegen abendländischer Kultur

Das ehemalige Kloster auf der Insel Reichenau zählt neben St. Gallen und Fulda zu den bedeutendsten Klöstern aus der karolingischen Zeit. Im Jahr 724 als Benediktinerkloster wurde von Bischof Pirmin gegründet. Schon nach wenigen Jahrzehnte war die Reichenau in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht eines der wichtigsten Klöster ihrer Zeit. Ausgedehnte Grundbesitze waren Garant für Reichtum und Macht. Durch Besuche und Schenkungen karolingischer Reichsfürsten, darunter auch durch Karl dem Großen, erlangte die Reichenau weiteren Einfluss, da der Kaiser vor allem Wissenschaft und Kunst zugetan war und deshalb die Klöster besonders unterstützte. So war auch die Klosterkultur der Reichenau berühmt für ihreBibliothek.

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde sie zu einer der bedeutendsten ihrer Zeit. Insbesondere Manuskripte aus dem 10. und 11. Jahrhundert, die zu den herausragenden Werken der ottonischen Buchmalereigehören, haben die Reichenau weithin bekannt gemacht. Im Zuge der Säkularisation ereilte die Reichenau das gleiche Schicksal vieler Klöster. Der gesamte Bestand der Bibliothek ging 1805 in die Karlsruher Hofbibliothek, die spätere Badische Landesbibliothek, über.

Die Klosterkirche St. Maria und Markus wurde bereits 816 geweiht. Besonders markant in der dreischiffigen Basilika sind der gewaltige Dachstuhl, der einem umgekehrten Schiffsrumpf nachempfunden ist und die reiche Schatzkammer die auf Führungen besichtigt werden kann. Neben Pirmin war in besonderem Maße AbtWalahfrid Strabo für die Entwicklung der Reichenau verantwortlich. Seine 827 geschriebenen Verse „Liber de cultura hortorum“ ist das wohl bedeutendste botanischen Werk des Mittelalters. Die kurz „Hortulus“ genannte Gartenfiebel über 23 Heilpflanzen kann noch heute in der Pirmin-Apotheke in Mittelzell erworben werden. Ebenso ist der nach seinen Regeln angelegte Kräutergarten am Münster zu besichtigen.